Ein bezaubernder Fotograf, wunderbarer Mensch Anna Shiz Gara hat ein exklusives Interview dem Portal Geometria.ru gegeben. 

Anna, Dein Interesse für die Fotografie wurde erst nach Deiner ersten Kamera geweckt, die Du per Internet bestellt hast und mit der Du dann auf die indonesische Insel Bali gefahren bist. Danach gab’s ein paar Shootings für Deine Freunde, kommerzielle Projekte in Europa… 

Du hast das nicht an der Uni studiert. Was war für Dich das schwerste im Bereich der Fotografie? 

- Ich widmete mich diesem Bereich und ich dachte darüber nicht nach, ob es schwer oder leicht sei. Ich habe einfach los fotografiert. Wenn deine Arbeit dir Spaß macht, denkst du über andere Sachen gar nicht nach.

- Es gibt jetzt sehr viele Fotografen. Was unterscheidet Deine Werke von anderen? Was ist das besondere an Deinem Style? Woran kann man erkennen, dass das ausgerechnet Fotografien vom Shiz Gara sind? Und welcher Bereich gefällt Dir am meisten: Natur, Porträt oder Architekturfotografie? 
- Am meisten neige ich zur Porträtfotografie. Jeder Mensch ist einzigartig. Für mich ist das eine größere Herausforderung einen Menschen mit all seinen Emotionen zu zeigen, als die typischste Straße in Europa zu fotografieren. Ich glaube, dass man meine Werke "vom weiten erkennen kann": auf fast allen Aufnahmen sind Menschen fröhlich und glücklich. Ich mag es auch, wenn ich den Menschen in seiner Umgebung zeigen kann. 

- Du bist zurzeit ein Fotograf mit großem Namen. Du bist in Moskau und in Europa als Shizgara bekannt. Wie bist Du zu diesem Pseudonym gekommen? 
- Das ist, meiner Meinung nach, die einzige Frage, auf die ich keine 100 % Antwort geben kann. Ich war in der Vergangenheit ein wenig "forensüchtig" und dort hatte ich diesen Nicknamen. Als dann ich eine Entscheidung treffen musste, hab ich einfach beschlossen den Namen zu behalten. 

- Ich habe den Eindruck, dass Du ein sehr zielstrebiger Mensch bist. Kann Dich im Leben eventuell etwas hindern? 
- Ich glaube, dass ich einfach mein Ding gefunden habe. Das bereitet mir sehr viel Spaß. Ich kann den ganzen Tag darüber nachdenken und es wird mir nicht langweilig. Mich kann kein schlechtes Wetter, keine sonstigen Gründe stoppen, weil es zur Sache des ganzen Lebens geworden ist.

- Welches Land hat Dich am meisten überzeugt? Und wohin willst du noch einmal reisen? 
- Jedes Land hat seine eigenen Besonderheiten. Leben würde ich in Deutschland wollen, weil ich jede Ecke bereit schon besucht habe und dieses Land ist einfach für mich geschafft. Urlaub machen würde ich sehr gerne auf Bali.

-Während Deiner Reisen hast Du sehr viel Arbeit. Arbeit macht Dir sehr viel Spaß. Hast du überhaupt noch Zeit, um in der Sonne zu liegen oder einen Club zu besuchen? Was sind für Dich die typischen Sachen, die Du im Urlaub machst?
- Es kommt auf meine Laune an. In einen Club zu gehen lohnt es sich für mich nicht, weil ich die nicht so besonderes mag. Ich will nicht nur in der Sonne liegen, sondern quer durchs Land reisen, viele schöne Fotos  machen, neue Menschen kennenlernen. Ich bin sehr gesellig und finde sehr leicht Kontakt zu anderen Menschen. Ich knüpfe während eines Kurzaufenthaltes dutzend neue Kontakte.

- Du warst vor kurzem in der romantischsten Ecke der Erde  und hast dort ein Tanzpaar Elena Podkaminskaya und Andrey Karpov fotografiert. Das zufällige Kennenlernen hat Dich zum Fotografen im Projekt "Prominenztanzen" gemacht. Du hast Dich mit dem Paar über deren Sieg sehr gefreut. Du hast auch andere Paare kennengelernt. Hast du noch Kontakt zu verschiedenen Prominenzpaaren und wenn ja, zu welchen? 

- In den 3 Monaten habe ich alle Teilnehmerpaare kennen gelernt. Ich treffe mich oft mit Elena Podkaminskaya und Andrej Karpov, Stas Kostjuschkin und Elena Vodonaeva. Ich habe eine Freundschaft mit Elena für etwas Unvorstellbares gehalten. Ich war sehr lange zu schüchtern um mit ihr in Kontakt zu treten. Als ich dann im Finale zu ihr gekommen bin, um ihr zum zweiten Platz zu gratulieren, hat sie dann zu mir gesagt, dass ihr meine Aufnahmen sehr gut gefallen und hat mir eine Kooperation angeboten. Ich hoffe, dass wir alles schaffen werden.

- In den letzten 1,5 - 2 Jahren hattest Du eine Reihe von unglaublichen Kontakten erworben, warst auf verschiedensten Meetings, die Dich so berühmt gemacht haben. Aber du konntest auch ein sehr erfolgreicher Bankier werden. Glaubst du an das Schicksal? 
- Ich bin ein wenig sauer auf das Schicksal, weil es mir nicht früher den Tipp gegeben hat ein Fotograf zu werden. In den letzten 7 Jahren hatte ich einen sehr langweiligen Job und war auf der Suche, was mir endlich gefallen würde: hab verschiedene Internetseiten geführt, gestaltete Blumen aus Lehm und habe auch gestrickt… Wenn ich früher gewusst hätte, dass das Fotografieren meine Leidenschaft ist, hätte ich schon ein paar meiner Ideen umsetzen können.

- Erzähl mal über die Ausstellung, die vor kurzem in Kirov eröffnet wurde.
- Diese Ausstellung bedeutet sehr viel für mich. Es gibt insgesamt 50 Fotos. Das sind meine ersten Fotos. Vor meiner Abreise nach Bali habe ich meine erste Kamera gekauft. Als ich mit der Bearbeitung der zahlreichen Fotos begonnen habe, konnte ich feststellen, dass es gar nicht so viele gelungene Fotos gibt. Nach 2 Jahren habe ich die besten Fotos für die Ausstellung auswählen können. Baliaufnahmen sind für mich zu einer Art Talisman geworden. Die Insel hat mir geholfen, die wichtigsten Sachen für mich im Leben neu zu überlegen. Ich habe die ganze Zeit versucht Karriere zu machen und ich habe überhaupt nicht geschätzt, was ich hatte. Die Indonesier leben bescheiden. Sie können sich keine Weltreisen leisten, sie bauen keine Raketen und keine Weltwirtschaftskrise findet hier statt. Dennoch lächeln sie jeden an, sind gut gelaunt und danken ihren Göttern für das Leben auf der Erde. 

- Was hat Dich am meisten auf der Insel fasziniert? 
- Alles! Ozean, große Wellen! Jede Nacht habe ich Strandwellen verfolgt. Die wichtigste Sehenswürdigkeit des Landes sind die Menschen. Man kann sich einfach mit jeder Person über seine Familie, Kinder, Wetter unterhalten, dabei  50 Komplimente machen und dann erst sich verabschieden. Auf der Insel herrscht eine enorme Energetik. Man sagt, dass das die Insel ist, wo alle Wünsche wahr werden. Und das stimmt auch, denn alles, was ich mir gewünscht habe ist in den nächsten nicht Tagen – Stunden wahr geworden. 

- Hast Du vor noch einmal die Insel zu besuchen? 
Ich will auf jeden Fall das machen. Momentan bin ich aber nicht in der richtigen Stimmung dazu. Das nächste Mal fahre ich für ein paar Monate dorthin. Einfach Urlaub nehmen wird nicht weiter helfen, man sollte schon über mehr Freizeit verfügen.

- Anna, Du bist sehr gesellig, aber auch sehr mutig (Du hast Deinen Job weggeschmissen, wobei Du sehr riskiert hast, stimmt es?). Welchen Charakter sollte ein Mensch haben, damit er ein Freund von Shizgara wird? 
- Ehrlich gesagt bin ich eine sehr geschlossene Person. Enge Freunde habe ich nur wenige. Ich mag es mich mit neuen Menschen zu unterhalten, aber ich erlebe alles alleine, ohne jemandem alles von mir preiszugeben. Mir gefallen die Menschen, die immer was machen, die Träume haben, die Pläne machen, also die, die etwas aus ihrem Leben machen wollen. Ich mag nicht Leute mit negativer Energie. Wenn jemand denkt, dass alle andere Schuld sind, nur er nicht. Solche Kontakte versuche ich zu vermeiden. 

- Hast Du in Deinem Umfeld Freunde, mit denen es Dir leichter fällt Schwierigkeiten im Leben zu überwinden? Oder schaffst Du alles alleine, ohne eine Stützung finden zu müssen?
- Als ich meinen Job weggeschmissen habe, sind die meisten sogenannten Freunde verschwunden. Das war eine sehr schwere Lebensperiode für mich: ich hatte keinen Anfangskapital, lebte in der Mietwohnung  in Moskau. Ich musste ziemlich flexibel sein, um "ein neues Leben" anfangen zu können. Dank meiner jetzigen Tätigkeit habe ich jetzt einen sehr großen Kreis von Freunden und Bekannten in verschiedenen Ländern. Die Arbeit eröffnet nicht nur neue Ländern für mich, sondern auch neue Kontakte (wie habe ich das alles bloß verdient?). Schwierigkeiten hat jeder. Und wenn sie mal auftreten, dann suche ich Unterstützung bei meinen Freunden-Fotografen. Und wenn es eine globale Krise mal geben sollte, dann sind meine Familie und mein Mann für mich da. Und jetzt habe ich Euch mein Geheimnis verraten, denn nicht alle wissen das noch.

- ???
- Mein Mann heißt Maxim. Wir haben uns in Berlin kennengelernt,  ein paar Wochen nachdem ich meine Arbeit weggeschmissen habe. Er war eigentlich mein Modell für ein Shooting, aber das Schicksal hat für mich ein Geheimnis  vorbereitet. Die letzten 2,5 Jahre leben wir in verschiedenen Ländern - er studiert und lebt in Berlin.Wir haben das gleiche Haupthobby - wir beide lieben es zu reisen. Unsere standesamtliche Hochzeit hatten wir vor 1,5 Jahren ohne ein Wort unseren Bekannten oder Freunden zu sagen. Das haben wir in Odessa gemacht, denn mein Mann kommt aus der Ukraine. Langsam erzählen wir schon über das große Ereignis im unseren Leben. 

- Kirov ist für Dich Deine Heimatstadt. Wie oft bist Du hier? 
- Nicht jedes Jahr, ehrlich gesagt. Manchmal reise ich jeden Monat in die Stadt, aber manchmal bin ich mehr als Jahr im Ausland. Ich liebe die Stadt sehr. Hier leben meine Eltern, viele meiner Freunde und Verwandte und ich reise oft nach Kirov nur um sie alle zu sehen. 

- In welches Land hast du am größten Lust zu reisen, wo Du noch nie gewesen warst? 
- Ich will auf jeden Fall nach Großbritannien, Irland, Island. Und alle skandinavischen Länder besuchen. Ich war bis jetzt von den skandinavischen Ländern nur in Dänemark und dieses Land hat mich sehr beeindruckt. Und ich habe noch vor Australien und Neuseeland zu besuchen. Aber das hat noch Zeit.

- Welche Hobbies hast Du noch, außer Fotografie? Vielleicht Musik, Sport, Autos oder sammelst Du was? 
- Früher war ich für mehrere Internetseiten zuständig. Und  ein paar Seiten davon funktionieren immer noch. Aber jetzt habe ich keine Zeit mich den anderen Dingen zu widmen, außer Fotografie. 

- Und ja, was magst Du aus anderen, fremden Ländern als Souvenir mitzubringen? 
- Magnete, Teller, verschiedene Nationalgerichte. Sehr oft organisiere ich thematische Abende, wo ich dann Nationalgericht aus dem Land, wo ich war, koche und über dieses Land meinen Freunden und Bekannten erzähle. 

- Wie sieht Deine Alltagskleidung aus? 
- Es hat sich bei mir alles im Kleiderschrank geändert, nachdem ich keinen Bürojob mehr ausüben muss. Ich trage jetzt ganz einfache schwarze Hosen, habe jetzt Abstand zu Kleider und High Heels genommen. In Europa sieht es normal aus, dort denkt keiner über sein Aussehen. 

- Magst du eigentlich Haustiere ? 
- Ja, ich habe eine weiße Hündin Nika, die 15 Kilo schwer ist. Sie ist ein Mischling aus Laika und Dalmatiner. Als ich sie bekommen habe, konnte ich mir nicht vorstellen, dass mein Leben so dynamisch wird. In den letzten ein paar Jahren war sie bei fast allen meinen Verwandten untergebracht und ich habe beschlossen, dass ich sie in Mai nach Europa mitnehmen werde. Nika hat sich sofort in Europa verliebt und ich musste sie in Europa lasen. Jetzt kommuniziere ich mit ihr per Skype. Eine Schwester von meiner ehemaligen Kundin hat sie bei sich aufgenommen. Jetzt hat sie eine große Familie, ein großes Haus mit einem Hinterhof. Mein Hund ist glücklich und freut sich schon auf meinen Besuch. 

- Was ist Dein Lieblingsgericht?
- Ich denke, Pasta. Spielt keine große Rolle welche. Ich liebe es zu essen. Immer, wenn ich neues Land für mich entdecke, gehe ich in ein Restaurant um was Neues zu probieren. 

- Bist Du eine Naschkatze ? 
- Ja! Das kann man an meiner Figur erkennen, aber dafür habe ich einen sehr guten Charakter. 

- Welches Buch hast Du zuletzt gelesen? 
- Ich gebe es ungern zu, aber das war "Fifty Shades of Grey ". Dieses Buch habe ich in verschiedenen Händen in  verschiedenen Ländern gesehen. Und den Umschlag habe ich überall gesehen: in der U-Bahn, in den Flugzeugen. Da habe ich beschlossen, dass ich das lesen soll.

- Eine traditionelle Frage: erzähl mal über Deine Pläne für die Zukunft. 
- Ich habe vor mit Elene Podkaminskaya und Andrey Karpov ein Tanzshooting zu machen. Ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit mit Alena Vodonaeva und Stas Kostjushkin. Alle diese Leute sind Genies und die Arbeit mit ihnen macht mir sehr viel Spaß. Das ist eine Herausforderung  ganz neuer Art für mich. Ein bisschen nervös bin ich schon, aber ich hoffe, dass alles klappen wird, denn es war nicht ganz einfach mit der Zeiteinteilung von beiden Seiten.

- Möchtest Du die ganze Welt mit Deinen Fotos erobern? 
- Früher hatte ich vielleicht solche Pläne, weil ich die Welt wegen meiner inneren Probleme nicht gemocht habe. Aber jetzt denke ich nicht mal darüber nach, was andere von mir halten, sondern viel wichtiger für mich ist, dass meine Arbeit mir Spaß macht. Ich würde gerne der Welt nach etwas hinterlassen, auf jeden Fall was Gutes. Ich will mehr Harmonie mit sich selbst finden und ein Weltruhm  steht bei mir nicht im Vordergrund. Wenn es doch passieren sollte, dann hätte ich nichts dagegen. Als Zielsetzung habe ich es aber nicht. 

- Viele Deiner Nachfolger wollen auch eine Fotokamera in die Hände nehmen und anfangen berührende Fotos zu schießen. Welche Tipps hast Du als Profi für solche Leute? 
- Als ich mir die erste Kamera geholt habe, wusste ich gar nicht, wie sie tickt. Alle Infos habe ich mir im Internet geholt, ein paar Tipps bei meiner Freundin-Fotografin. Wenn jemand es vor hat hauptberuflich zu machen, dann soll er mit einem großen Zeitaufwand rechnen und jede freie Minute in diese Sache zu investieren. Viele sagen, dass das Fotografieren leicht sei, das aber in der Wirklichkeit nicht stimmen muss. Das ist eine Arbeit wie jede andere. Eine interessante Arbeit, wo du neue Bekannte und Perspektiven finden kannst, aber die auch physisch nicht einfach ist, die deine ganze Freizeit fressen wird. Wenn ich kein Shooting habe, heißt es, dass ich am Computer mit der Bearbeitung beschäftigt bin. Eine freie Zeiteinteilung habe ich schon, aber viel Freizeit  habe ich doch nicht. Aber ich liebe das alles, denn dadurch fühle ich mich glücklich. 

- Hast Du noch ein paar Wünsche für die Geometriya…
- Geometriya ist geil. Ihr wisst einfach alles, es gibt bei Euch viele Fotos und Interviews. Möchte mich für dieses Interview bedanken, ich bin schon eine sehr bescheidene Person. Nächstes Mal kann ich dann ein bisschen mehr über mich erzählen :) 



Text: Irina Agazade.
Photo: Philipp Dobrinin, Irina Maximova, aus einem Privatarchiv von Anna Shiz Gara

Vielen Dank an die Grillbar "Konjuschnya", dass Sie uns Räume für Interview und Fotoshooting  zur Verfügung gestellt haben. 

http://geometria.ru/blogs/authors/68068