Die sich gefunden hat!

19 June, 2015 13:56

Die sich gefunden hat! 

Anna Shiz Gara.

«She’s got it, Yeah, baby, she’s got it» hat in den 60-70 Jahren eine holländische Gruppe gesungen und ein Drittel aller Jugendlichen haben dabei rhytmisch getantzt. Der Superhit hat längst seine Künstler überlebt und der Refrain, denn man ins Russische wie "Shizgara" übersetzt hat, ist zu einem Nickname im Internet für eine Kiroverin Anna geworden, die vor 6 Jahren nach Moskau umgezogen ist und eine gute Stelle in der Bank bekommen hat. Vor ein paar Tagen ist sie nach Kirov für eine kurze Zeit zur Eröffnung ihrer persönlichen Fotoausstellung "Ticket to Bali" in der Galerie "Progressgalerie" zurückgekommen. 


Die Insel, die  das Leben verändert hat. 

 

Das blaue Meer, Palmen und Sand, Straßen mit kleinen Häusen, sorgenfreie und fröhliche Gesichter schauen auf den Besucher von der Wand der Galerie. Bunte Werke von Anna Shizgara schauen wie Fenster in eine andere Welt, in ein anderes Universum aus, kriegs-, krisen- und vorurteilslos. 
 

- Für mich ist diese Ausstellung zu einem Talisman geworden,- erzählt die Künstlerin. - Der Trip nach Bali hat total mein Weltverständnis und mein Leben auf den Kopf gestellt. Vor 2 Jahren bin ich als normale Touristin mit einer ganz einfachen Spiegelreflexkamera gereist. Aber zurückgekehrt ist ein anderer Mensch. Die ersten 2 Wochen habe ich mich einfach erholt, habe versucht die Insel zu verstehen, aber danach habe ich angefangen alles zu fotografieren. Mich hat sehr überrascht, wie freundlich und gelassen die Einheimischen und Touristen sich mit mir unterhaltet haben, Kontakte hinterlassen haben. Die Indonesier leben sehr bescheiden, sie haben keine Krisen, keine Kriege. Sie sind einfach glücklich damit, was sie haben. Ich habe viele neue Kontakte gemacht, habe neue Eindrücke sammeln können. Nach meiner Rückkehr nach Moskau habe ich verstanden, dass ich so nicht leben kann. 

Das erste Halbjahr war die Fotografie für Anna eher ein neues Hobby. Sie hat die ganze Info im Internet gefunden. Und gleich danach ist sie ins Ausland abgehauen. Sie hat ganz Deutschland gesehen, war in Frankreich, Dänemark und in anderen Ländern. England und Irland sind an der Reihe…

 

- Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon ein kleines Portfolio von den Baliwerken und von Freundenfotoshootings, worauf ich ein sehr positives Feedback in sozialen Netzwerken bekommen habe,- erzählt Shizgara.- So habe ich angefangen zu reisen: ein Monat lang in Moskau und ein Monat in Europa. Ich bin fest überzeugt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, die Arbeit zu kündigen, auch mit sehr gutem und stabilen Gehalt. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Freude daran, was ich mache. Die Insel Bali hat mir ins Ohr geflüstert, dass ich in Harmonie mit dem Umwelt leben sollte. Hobby ist zu meinem Lebensstil und zur Lieblingsarbeit geworden. 

 



Der Aufstieg "zu den Stars". 

 

Wie man schön sagt, das Glück ist der Rest vom Projekt. Die Fähigkeit und das Bemühen sind zwei wichtigsten Merkmale. Shizgara ist quer durch die europäischen Straßen gelaufen, hat Fremde fotografiert und kommerzielle Shootings und Reportagen gemacht. Auch wenn mal in Europa zuerst nachfragen sollte, ob derjenige fotografiert werden möchte, aber die Offenheit und das Lächeln wirken einwandfrei auf jeden. In Berlin hat Shizgara einer neuen Bekannte, der Inhaberin einer lokalen Galerie über ihre Reise nach Bali erzählt und die hat dann für sie eine persönliche Ausstellung in Berlin organisiert. Das meiste davon kann man bis Ende Januar in Kirov erleben. Eine einfache Glückssache? Ja. Aber wäre das überhaupt möglich, wenn sie nicht ihre Karriere als Bankangestellte aufgäbe, wäre Sie dann vielleicht nie zu einer Fotografin geworden?

 

- Unter allen 6.000 Aufnahmen während meiner Balireise habe ich 50 besten ausgewählt und selbst jetzt sehe ich ein paar Fehler,- gibt Shizgara zu. 

 

In diesen 2 Jahren hat sie die Technik erlernt, hat 3 neue Kameras gekauft. Sie hat jetzt eine Bevorzugung in der Optik und in der Thematik getroffen: es gibt nichts besseres, als die Geschichte des einzelnen Menschen zu widerspiegeln, die Emotionen, verschiedene Lebensmomente. 

 

Sie hat jetzt auch ein Traum und zwar ihr eigenes Fotostudio. In der deutschen Hauptstadt hat sie auch einen Odessaer Maxim kennengelernt und mittlerweile sind sie schon eine Familie. In einer der vielen sozialen Netzwerken hat der Direktor vom Paar Elene Podkaminskaya- Andrey Karpov mit ihre Kontakt aufgenommen und ihr vorgeschlagen ein Shooting in Paris zu machen. Dem Paar haben ihre Fotografien gefallen und sie haben damals noch keine bekannte Fotografin für dieses Projekt eingeladen. Anna war mit ihnen bis zum Sieg und hat sich sehr darüber gefreut. Der Bekanntschaftskreis und die Beliebtheit von Shizgara sind enorm gewachsen. 

 

- In der Wirklichkeit sind Prominente im Leben ganz einfache und lockere Menschen, deswegen sehe ich in meinem Erfolg nichts spektakuläres, - meint Anna. -Es gibt genug Projekte für jeden Fotografen in Moskau. 

 



Jeder hat ein Talent. 

 

Das Leben von Anna ist nicht nur durch eine Fotokamera in der Hand geprägt. Sie mag Eislaufen, Snowboard fahren, Reisen, die dann so toll mit dem Thema Fotografie kombinierbar ist; langsam fängt ihr ernstes Familienleben an. Vor langer Zeit hat sie für verschiedene Internetseiten geschrieben, aber jetzt hat sie keine Zeit um ihre Seite zu führen. Das Leben ist so schön!

 

Nicht jeder von uns ist seit der Kindheit ein Künstler, Schriftsteller oder ein Mathegenie. Aber man kann immer Angst haben, dass man keine besondere Fähigkeiten besitzt und nichts aus seinem Leben machen kann. Doch! Ein Beispiel aus dem richtigen  Leben haben wir hier.